[:en]Zwei Österreichern in Rußland[:]

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Unsere Reise begann am 29.7.2010 Nachmittags..
Ich fuhr gemütlich mit dem Zug von Linz nach Wien… mit dem Bus ging’s dann vom Bahnhof zum Flughafen in Schwechat…

Ich war relativ früh drann und schaute mich nach dem richtigen Schalter zum einchecken um… Transaero war unsere Fluglinie von Wien nach Moskau.. hätte es mir da schon zu denken geben sollen, dass wir nicht am Terminal 1 sondern am klitzekleinen Terminal 2 einchecken mussten? *gg Nein! eigentlich nicht… Fly-Niki checked auch hier ein…
Der Flug (Flugzeit 2:40) verlief eigentlich recht unspektakulär…
In Moskau gelandet mussten wir das Gepäck wieder abholen und neu einchecken für den Weiterflug (Flugzeit: 1:30) nach Nischnekamsk. Nischnekamsk liegt ca. 1100 km Luftlinie östlich von Moskau in der Teilrepublik Tatarstan. Der kleine „Ort“ hat etwas über 226.000 Einwohner.
Mittlerweile war es schon 0:30 des folgenden Tages. Wir wurden, wie zuvor per email bestätigt, abgeholt.
Ein großteil der Schiedsrichter kam mit dieser Maschine, sodaß unsere Gruppe auf ca. 25 Personen angewachsen ist.
Der Reisebus brachte uns dann nach Naberezhnye Chelny wo wir in einem Sanatorium (russischer Standard) untergebracht waren. Schade, dass in einer so großen Stadt (510.000 Einwohner) keine andere Unterkunft möglich war.

Unsere “Unterkunft” das Sanatorium

Die Zimmer waren zwar nicht europäischer Standard, aber dennoch ganz ok.. Doch leider verfügten die Zimmer über keinerlei Klimaanlage, die bei der herrschenden Hitzewelle von 38°-42° sehr wünschenswert gewesen wäre. Auch ein öffnen der Balkontüre und der Zimmertüre zum Gang hin, brachte keinen nenneswerten Luftzug zu stande. Abhilfe konnte man sich nur durch befeuchten der Haut schaffen… Die steinharten Matrazen trugen das Ihre zu schlaflosen Nächten bei…
Nach einer kurzen Nacht suchten wir den Speisesaal auf und versuchten unser Glück mit einem Frühstück. Instant Kaffee, Tee oder Wasser waren die Wahl des Getränkes… Bei den Speisen wurde es eng. Die freundliche Bedienung brachte zwei Teller Fisch mit Reiß zum Tisch. Für einen österreichischen Magen, der Süßes zum Frühstück gewohnt ist, war das schon eine gewaltige Herausforderung dort zu bleiben wo er hingehört. Keine Marmelade, kein Honig oder ähnliches wurde hier zum Frühstück gereicht. Sogar in einem nahen Supermarkt war dies nicht aufzutreiben. Also die ganze Woche trockenes Brot und Wasser ohne „Blaserl“.

Um 10:00 bestiegen wir dann den Bus zur Dropzone (Flugplatz) wo die Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Diese Reise dauerte dann eine Stunde. Jeden Tag eine Stunde hin und am Abend eine Stunde zurück!

Dieser Tag war noch „Freizeit“ für uns. Der Kurs fing erst am folgenden Tag nach dem Mittagesssen an.

Auf der Dropzone angekommen, machten wir uns mal Ortskundig und trafen auch gleich ein paar bekannte Gesichter.

Unsere „Lehrerin“ (Carla Cole) lief uns auch gleich über den Weg. Sie bereitete uns einen wirklich herzlichen und freundlichen Empfang. Sie besprach mit uns kurz das organisatorische wie Essensmakerl, Getränke, Busshuttel zurück zum „Hotel“ usw…
Danach hatten wir noch die Gelegenheit, um das Flair einer Weltmeisterschaft auf uns wirken zu lassen…

schattiger Warteplatz

Packzelt

Der zweite Tag (Samstag 31.7.2010) war dann unser erster Kurstag.
Da fings dann gleichmal mit Theorie an. Viel Theorie! Rules ohne Ende.. „Competition Rules“, „General Rules“ und „Sektion 5“ (Fallschirmspringen)…
Mittagessen und Abendessen konnten wir immer auf der Dropzone. Das Essen hier war geschmacklich wirklich sehr gut, doch leider wollte es mein Körper nicht annehmen.. Gisela hatte da keine Probleme damit…

Am Sonntag (1.8.2010) blieb uns nichts an deres übrig als den Bus um 6:30 zu nehmen, es gab ja sonst keinen anderen… Frühstück dann am Flugplatz.. Das aber auch nicht anders war, als das im Sanatorium.
Dann wieder den ganzen Tag Theorie.. Um 21:00 ging dann der Bus zurück in die Unterkunft..
Montag (2.8.2010) wieder das gleiche Prozedere. Nach dem Mittagessen war dann auch schon die schriftliche Prüfung angesetzt. 30 Fragen mit mehrfacher Antwortmöglichkeit und außerdem mußten neben den Antworten auch die Punkte der verschiedenen Rules angeführt werden, wo diese Antwort zu finden ist. Zeit 90 min! Die meißte Zeit brauchte eigentlich das heraußsuchen der Punkte (Paragraphen). Die Antwort wußte man eh meißtens, aber wo stehts dann in den Regeln…
Aber nichts desto Trotz, alle 7 Kandidaten hatten die nötige Punkteanzahl erreicht…
Puhh, erste Hürde geschafft.. Aber die viel größere kommt ja noch… die praktische Prüfung!

Flatscreen zur Verfolgung der Punktevergabe

Die nächsten 2,5 Tage waren geprägt von Video ansehen. Voll konzentriert, dass man ja möglichst alle Fehler findet, die vorher schon die aktiven FAI-Schiedsrichter gefunden hatten. 4er-Formation, 8er-Formation und Vertical Formation. Insgesamt haben wir uns 246 Sprünge angesehen und das bis zu drei mal, weil so oft dürfen die Videos auch bei einem Bewerb betrachtet werden. Alles in original Geschwindigkeit ohne Zeitlupe und ohne Standbild!
Als wier die Auslosung der Sprünge für diese WM sahen, war uns schon klar, daß die dritte Runde der volle „Burner“ wird. Die Computer hatte einen reinen „Random“-Sprung ausgeworfen. In anbetracht der exzessiven Tunneltrainigszeiten der Spitzenteams, war ein neuer Weltrekord schon vorprogrammiert!
Und tatsächlich! 2 Teams (Russland und Frankreich) schafften einen sagenhaften Weltrekord von 56 Punkten in 35 Sekunden Arbeitszeit! Das amerikanische Computerbewertungssystem von der der Firma „Omniskore“ stieß an seine Grenzen. Bei fünfzig Punkten hörte es auf zu zählen! Dieser Sprung mußte dann händisch mit Stopuhr bewertet werden!
Einen sensationellen nationalen Rekord schafften auch die Nachbarn aus Deutschland. Unfaßbare 53 Punkte – herzliche Gratulation auf diesem Wege!
Am Donnerstag (5.8.2010) war es dann für uns soweit. Der Tag der Entscheidung!
Die praktische Prüfung hieß für uns Videos bewerten. Unser Ergebnis wurde dann mit dem der aktiven Schiedsrichter verglichen. 80% aller Fehler mussten gefunden werden um zu bestehen. Natürlich durfte jeder Sprung auch nur 3 mal in Normalgeschwindigkeit angesehen werden. Da das Computersystem für uns „Trainings-Schiedsrichter“ nicht funktionierte, mussten wir alles mit der Hand stoppen. 20 Sprünge 4er-Formation, 10 Sprünge 8er-Formation und 6 Sprünge Vertical Formation mussten bewertet werden.
Nach ca. 4 Stunden, mit einer kleinen Pause dazwischen, waren wir endlich durch.
Jetzt hieß es warten.. 2,5 Stunden dauerte die Auswertung der Ergebnises.
Mittlerweile hatte eine Schiedsrichterbesprechung und die Siegerehrung statt gefunden.
Nach der Siegerehrung wurden alle Trainigs-Schiedsrichter in den Kreis der aktiven Schiedsrichter gebeten. Dort sollte die Ergebnisverkündung sein…
Carla machte es spannend…

Trainigs-Schiedsrichter 2010

Dann endlich das erlösende Ergebnis! Alle 7 Teilnehmer hatten bestanden!

Wir wurden von den Schiedsrichtern herzlich beglückwünscht und willkommen an Board geheißen…
Große Entspannung und Erleichterung machte sich auf unseren Gesichtern breit…

Endlich geschafft!!

Jetzt konnten wir mit ruhigen Gewissen die Abschlußzeremonie genießen..
Ich war nun schon das fünfte mal auf einer WM, aber diese Eröffnungs- und Abschlußzeremonie war die beste die ich gesehen habe…

Eröffnungszeremonie – Menzelinsk

Die russischen Veranstalter haben sich wirklich außerordentlich bemüht und eine tolle Show geliefert…
Die Zuschauer waren so herzlich und vorallem begeistert. Sie wollten dir die hand schütteln oder ein Autogramm… unglaublich…

Für uns gings dann um 22:30 zurück in unsere Unterkunft…

Der folgende Tag war noch ein Relaxtag… durch die brutale Hitze konnte man auch nicht wirklich etwas unternehmen… es war einfach zu heiß für alles…
wir besuchten kurz einen Markt der nicht weit entfernt war. komplett durchgeschitzt kamen wir nach einer Stunde wieder zurück… wie die toten Fliegen lagen wir den restlichen Tag in unserem kleinen Zimmer und warteten darauf, dass dieser Tag zu ende geht.
Nichts ahnend, dass es noch viel viel schlimmer kommen würde…

Frankreich – Sieger in der 4er-Formation

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